Scheitern ist sexy

Wer kennt ihn nicht, den Sog unseres inneren Kritikers, der sich blitzschnell und blutrünstig auf unsere Fehler stürzt und uns klar macht, wo wir mal wieder versagt haben? Dieser Anteil hat sicherlich seine Berechtigung. Er hilft, uns vor Blamage, Ablehnung und anderen Gefahren zu schützen. Gleichzeitig kostet diese strenge Haltung gegenüber uns selbst ganz schön viel Energie. Wir möchten uns daher der Idee widmen, was wir gewinnen können, wenn wir uns vermehrt die Erlaubnis zum Scheitern geben.

In unsrer auf Erfolg getrimmten Gesellschaft besteht häufig nicht viel Raum fürs Scheitern. Bereits in der Schule lernen wir, möglichst gleich alles „richtig“ zu machen. Jede unserer Leistungen wird bewertet. Das ist zum einen ziemlich absurd, wenn man bedenkt, dass es im Leben nicht nur richtig und falsch gibt. Zum anderen nehmen wir uns mit dem Anspruch, die Dinge am Besten sofort zu können – und zwar perfekt – den Raum zum Lernen. Wir wagen uns weniger an Dinge heran, die wir nicht sowieso bereits können.Wir vermeiden Situationen, in denen etwas nicht klappen könnte. Damit nehmen wir uns die Möglichkeit, über Irrwege zum Erfolg zu kommen. Wir reproduzieren bereits bekannte Strategien. Auf diese Weise lassen wir unseren Zugang zur Kreativität verkümmern – und damit einen wichtigen Teil von uns Selbst.

Indem wir diese Verbindung zu unserem verletzlichen, kreativen Selbst vernachlässigen, erleben wir aber auch weniger Verbundenheit zu anderen. Nur wenn wir uns zeigen können, mit allem, was da ist – eben auch mit Verletzlichkeit – können wir uns authentisch begegnen. Unsere eigenen Schwächen zu zeigen, bringt uns näher zusammen. Menschen, die sich mit Schwächen und Verletzlichkeit zeigen, fühlen wir uns nahe. Sie zeigen uns einen Teil, der auch in uns steckt und den auch wir uns gerne mehr erlauben würden – wenn auch vielleicht nur insgeheim. Personen, die mit ihren Unsicherheiten da sein können, wirken viel souveräner und interessanter, als jene, die aalglatt ihre Perfektion zur Schau tragen. Scheitern ist also auch ein bisschen sexy.

Es geht letztendlich darum, den Mut zu haben, sich von anderen zu unterscheiden, etwas auf eine neue oder andere Art zu tun, Mustern zu durchbrechen, zu widersprechen und auch mal anzuecken. Umso mehr wir uns erlauben, neugierig und spielerisch zu entdecken, umso größer wird unser innerer und äußerer Spielraum. Das bringt Lebendigkeit ins Leben. Aber Vorsicht: Du könntest scheitern! Und das wäre verdammt sexy.


Foto: chuttersnap

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